Reiseberichte

Vorbereitung
 
Eines vorne Weg - der Urlaub war eine absolute Spontanidee.
Deshalb blieb uns auch nicht wirklich viel Zeit zur Vorbereitung. Während wir eines Nachmittages mit der Familie zusammen saßen und darüber redeten, dass wir die Woche von Himmelfahrt Urlaub nehmen, kam von allen Seiten die gleiche Frage: Wo fahrt ihr denn hin?
Daraufhin zuckten wir mit den Achseln und dachten uns – keine Ahnung.
Also Laptop gezückt und über die Karte geschweift. Wir stießen auf Neive – ein kleines Örtchen in der Nähe von Turin. Mitten in der piemonter Hügellandschaft, die im Südosten in erster Linie landwirtschaftlich und touristisch genutzt wird. Hier wächst der berühmte Barola, Barbaresco und Berbera Wein.
Das klang nach etwas für uns. Dort müssen wir hin.

Tag 1

Punkt 6.00 Uhr klingelte der Wecker und rief – Urlaub. Während wir uns für die Fahrt bereit machten, lag Maja, unsere fast einige Labrador Hündin, noch immer in ihrem Korb. Es folgte ein kurzer Blick dann hörte man wieder das schnarchen. Es brauchte in der Tat 2 Leckerlies und jede Menge gutes Zureden, bis sie sich aufrappelte und mit uns zum Auto kam, wo sie nach etwa fünf Kilometer auch schon wieder im Land der Träume verschwunden war. Wenn es für uns auch so einfach wäre :)

Unsere Fahrt führte uns zunächst bis zum Bodensee. Dort machten wir einen kurzen Tankstopp und befestigten die Vignetten. Leider gibt es für die Schweiz nur eine Jahresvignette d.h. wir müssten eigentlich nochmal in die Schweiz im Laufe des Jahres... und dabei sind wir absolut keine Schneehasen.
Vom Bodensee aus geht es ein kleines Stück durch Österreich und dann weiter in die Schweiz Richtung San Bernadino Pass. Die Zöllner an der Einreisekontrolle winken uns einfach durch – trotz Hundebox im Auto. Wir sehen wohl vertrauenswürdig aus.
Mit Tempolimit 120 kriechen wird dann förmlich durch die Landschaft und entdecken die ein oder andere Berghütte, sowie eine Raststätte mit dem Namen Heidiland. Naja die Schweizer müssen es wissen.

Auf halber Strecke in der Schweiz erreichen wir den San Bernadino Pass und haben nun die Qual der Wahl Pass Strecke – heißt Serpentinen oder Tunnel. Wir entscheiden uns für letzteres. Bei Menschen mit Höhenangst wie uns sind Serpentinen doch sehr unbeliebt. Also rein in den Tunnel und durch. Er hat eine Länge von 6,6 km und ist tatsächlich wie eine Art Zaubertunnel. Während man auf der einen Seite eine Temperatur von 15 grad und Wolken hatte, kommt man auf der anderen Seite heraus und denkt man ist in Dolce Vita. 25 grad, Sonne und Orte die ganz nach Italien klingen obwohl man noch meilenweit davon entfernt ist. Es geht noch eine gute Stunde weiter durch die Berge, dann erreichen wir Chiasso und die italienische Passkontrolle. Hier stockt es kurz. Einzelne Autos werden herausgezogen. In Italien dürfen Hunde nur mit einer entsprechenden Hundebox, Maulkorb und Tollwut Impfung einreisen. Wir zücken also bereits die Ausweise und Majas Impfpass, doch der Zöllner schaut nur kurz und gibt uns dann mit einer Handbewegung die Anweisung einfach weiter zu fahren. Grazie!
 
Endlich in Italien!

Von Chiasso aus geht es zunächst weiter Richtung Mailand. Hier kommt man sich vor wie auf dem Berliner Ring, nur dass man an jeder Ecke Maut bezahlen muss. Die Mautstationen ähneln den Startboxen auf einer Rennstrecke, jeder der bezahlt hat fährt auf einen riesigen Platz welcher sich zu zwei Spuren verengt. Hüja!
 
Vom Mailänder Ring geht es weiter Richtung Genua. Hier gibt es plötzlich ein Ticket an der Mautstation. Etwas Ratlos fahren wir weiter... mal sehen wofür das gut ist. Auf der Höhe von Alessandria biegen wir Richtung Turin ab. Noch 2 Stunden sagt das Navi. Es sind mittlerweile 28 grad und es ist 14.00 Uhr. Langsam werden die Beine schwer und das Sitzen unangenehm. Etwa auf der Hälfte der Strecke nach Turin, geht es dann von der Autostrada, also der Autobahn, auf eine Schnellstraße Richtung Alba. In Italien sind Autobahnen übrigens grün beschildert und Schnellstraßen mit blau. Da kommt es dann doch zu einigen Verwechslungen. Noch bevor wir Abfahren können kommt die nächste Mautstelle. Wir zücken die Karte. Nein sagt die nette Stimme erst das biglietto. Wir überlegen kurz, dann kommt der Geistesblitz das Ticket ... jetzt wissen wir endlich wofür es gut ist. Es berechnet die Strecke die wir auf der Autostrada befahren haben und kassiert noch einmal 18 Euro ab. Summa summarum sind wir jetzt bei 50 Euro. Teurer als die Schweizer Vignette. Über die Schnellstraße geht es Richtung Alba nach Neive.

Endlich sind wir am Ziel. Das mittelalterliche Dorf, das von einer farbenreichen Landschaft aus Weinreben und Schlössern umgeben ist, ist eine der schönsten Ecken in der Langhe (so nennen die Einheimischen die Region). Auf einem der Berge befindet sich die historische Altstadt die schon von weitem zu erkennen ist. Auf der anderen Seite liegt unser Hotel – Villa Lauri.
 
Die elegante Jugendstil Villa aus dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch eine sorgfältig Renovierung in ein kleines, familiengeführtes Hotel umgewandelt. Die insgesamt 12 Zimmer sind mit charmant und Individuell eingerichtet. Jedes ist nach einem Wein der Region benannt. Wir haben den Barbaresco erwischt. Daumen hoch.
 
Nach insgesamt 9 Stunden Fahrt sind wir erst einmal total müde. Maja schmeißt sich sofort auf die Fliesen ins Bad. Nachdem sie sich beim ausladen vorher noch vom kompletten Hauspersonal hat einmal durch kraulen lassen. Ja ihr Babyblick zieht immer.

Das Zimmer ist klein aber schön. Man blickt direkt auf die Weinberge. Das Wasser auf dem Zimmer ist gratis erzählt uns Vivianna, die Eigentümerin, noch, dann lässt sie uns allein. Wir machen es uns auf dem Bett gemütlich und blicken in die Ferne.
 
Gegen 18 Uhr meldet sich Maja zu Wort. Genug mit schlafen. Sie will raus. Also wieder zu Vivianna und kurz nachgefragt wo man mit dem Hund hingehen kann. In Italien scheint es nicht üblich mit dem Hund rauszugehen, daher tut sich Vivianna schwer etwas zu empfehlen. Wir landen schließlich mit etwas Müh und Not auf einem der Weinberge und überblicken das Tal. Von überall her sind Hunde zu hören. Maja wurde bereits entdeckt.
 
Nach einer guten Stunde über ein paar Schotterwege kehren wir zurück ins Hotel und lassen uns das erste Gläschen Weißwein Chardonnay aus der Region auf der Terrasse des Hotels schmecken. Leider hat unser Zimmer kein Balkon. Die Terrasse tut es aber auch. Vivianna ist zunächst etwas überfordert. In Italien gibt es erst gegen 20 Uhr den Aperitif und gegen 22 Uhr das Abendessen. Daran müssen auch wir uns erst gewöhnen.

Auf der Terrasse sitzend werden wir allerdings prompt angesprochen. Ein Pärchen aus dem Ruhrpott hat unser Auto auf dem Hof stehen sehen und uns anhand der Hundebox erkannt. Sie gesellen sich zu uns und erzählen uns etwas von der Umgebung. Sie sind bereits seit ein paar Tagen da.

Gegen 20 Uhr verabschieden wir uns und besuchen ein Stockwerk tiefer im Erdgeschoss des Hotels das dazugehörige Restaurant – Cantina Del Rondo. Vivianna hat so wie abgemacht bereits für uns reserviert. Der Platz auf der Restaurant Terrasse ist uns sicher. Maja schleckt sich schon das Maul – hofft auf eine Kleinigkeit vom Tisch. Es gibt Barbaresco – dunklen vollmundigen Rotwein und ein 3-Gang-Menü mit Kaninchen, Pesto & piemonter Schokopudding.  Alles im allen total lecker. Wir sind satt und fallen ins Bett.

 

Tag 2

Die Nacht war kurz. Die Betten waren für meinen Geschmack leider zu hart und es gab nur eine Decke. Wir stehen also gegen 8.00 Uhr auf. Total vor unserer Zeit und begeben uns zum Frühstück. Vivianna ist nicht da, aber eine ihrer Frühstücksdamen. Sie zeigt uns einen Platz auf der Terrasse und das Buffet. Es gibt Wurst und Käse aus der Region. Marmelade, Jogurt, Müsli und frisches Obst. Da das Weißbrot leider überhaupt nicht mein fall ist, nehme ich den Jogurt und das Obst. Ein paar Stückchen Käse probiere ich bei meinem Mann. 
 
Nach dem Frühstück brechen wir auf nach Barbaresco. Eine kleine Gemeinde mit 658 Einwohner in der Nähe von Neive. Auch diese Stadt befindet sich wieder auf einem Berg. Die Hänge werden für den Wein genutzt. Wir suchen uns einen Parkplatz und laufen mit Maja durch die Stadt. Wir haben Glück – es ist Markttag. Während der Großteil der Besucher in die überfüllte San Donato Kirche stürmt, laufen wir an dem Ständen vorbei und probieren den Käse und die Wurst. Beim dritten Händler erreichen wir einen älteren netten Mann, der so gar ein wenig Deutsch kann. Er lässt uns seine Salami mit Trüffel und jene eingelegt in Barbaresco Wein probieren. Wir stimme sofort mit ihm überein, dass sie ganz wundervoll ist und kaufen für uns und die Familie ein paar ein. Maja versucht unterdessen ihren Babyblick. Aber hier bleiben wir hart. Vom Markt geht es weiter zum Schloss und zum Aussichtsturm. Die Fassaden sind wundervoll renoviert und bringen uns zum Stauen.

Da die Stadt allerdings ist nicht sonderlich groß ist beschließen wir zum Tanaro, einem großen Nebenfluss des Po, hinunter zu laufen. Leider sind die Wege nicht beschildert woraufhin wir uns ein wenig verlaufen. Als sich dann die Mittagssonne zeigt beschließen wir die Suche abzubrechen und zum Hotel zurück zu kehren. Maja braucht dringend etwas Wasser. Auf dem Rückweg unternehmen wir einen zweiten Anlauf, dieses Mal landen wir an einem See. Maja stört es nicht. Die Fischer am See holen ihre Angeln ein und gönnen ihr einen kurzen Moment der Abkühlung. Sie schwimmt in aller Seelenruhe am Ufer entlang und versucht sich einen Stock aus dem Wasser zu angeln. Leider klappt es mit dem tauchen noch nicht so gut. Sie vergisst die Nase zu schließen oder zumindest die Luft anzuhalten. Das Spektakel belustig alle.

Nachdem sie genug hat kehren wir ins Hotel zurück und sie legt sich schlafen. Wir suchen den Pool auf. Die Abkühlung tut gut. Das Thermometer zeigt 30 grad Außentemperatur und 23 grad Wasser. Es kommt einen trotzdem eiskalt vor. Es kostet Überwindung. Dann aber liegen wir drin und genießen den Ausblick vom Pool über die Weinberge. Ich hole uns von Vivianna einen Wein. Das Auto bleibt den restlichen Tag stehen.

 

Zum Abendessen machen wir uns alleine auf in die Altstadt von Neive. Hier besuchen wir zunächst einen der Aussichtspunkte bevor wir an den Restaurants vorbei schlendern. Punkt 20 Uhr öffnen die ersten und locken mit leckeren Düften ins innere. Wir entscheiden uns für Osteria „I Love Ba“ ein kleines Restaurant mit nur 15 Tischen verteilt über zwei Ebenen. Die Mädels des Restaurants sind sehr nett. Bringen uns sofort die englische Karte und erklären uns ihre Menü Varianten. Wir entscheiden uns für die kalte Vorspeisen Platte, Nudeln und Panna Cotta. Als Getränk gibt es Weißwein „Arnes“ – ihr Hauswein. Nach dem bestellen lassen wir unseren Blick schweifen. Die Küche befindet sich gleich hinter uns klein aber sauber. An der Seite steht ein großes Weinregal mit den Weinen der Region. Ein paar Tische weiter sitzen 4 Schweizer – ebenfalls Gäste aus unseren Hotel. Man kennt sich von sehen und grüßt sich.
Als Vorspeisen bekommen wir Carpaccio. Bei den Nudeln erwischen wir dieses Mal direkte Trüffelnudeln mit Tomaten Pesto. Der Nachtisch ist ein Traum. Die kühle Panna Cotta zerfließt förmlich im Karamell Spiegel. Glücklich und zufrieden laufen wir den Berg hinunter und gönnen uns auf der Terrasse einen Absacker bevor es ins Bett geht.

Tag 3


In dieser Nacht schlafe ich besser. Mit eigener Bettdecke und zweitem Kissen ist es doch deutlich angenehmer. Wir lassen das Fenster über Nacht auf, verschließen aber die Fensterläden um die Mücken abzuhalten. Es kühlt in der Nacht angenehm ab und wir dösen bis 9 Uhr. Dann mache ich mich mit Maja zu einer morgendlichen Runde durch den Ort auf und merke, dass erste Mal, dass auch Maja Angst haben kann. Eigentlich ist sie eher der Typ „Hier bin ich was willst du“. Als wir aber durch den Ort laufen und von jeder Ecke ein Hund bellt oder angelaufen kommt, versteckt sie sich hinter mir und will nicht weiter. Der Großteil lässt uns bellend vorbei laufen nur einen Hund muss ich persönlich zurück schicken. Dem „Hundeflüsterer“ sei dank weiß ich ja wie es geht. Maja fühlt sich dadurch wieder sicher und trappelt mir weiter hinterher. Mich persönlich nervt das Gebell mittlerweile und beschließe umzudrehen. Maja folgt sofort.

Beim Frühstück treffen wir die Schweizer und die Ruhrpottler wieder. Alle beschäftigen sich mit Maja und sie ist wieder total in ihrem Element. Nach dem Frühstück weisen wir Vivianna daraufhin, dass sie heute bitte nicht putzen, da wir Maja im Hotel lassen um etwas weiter zu fahren. Sie sagt es ist kein Problem und wir machen uns auf den Weg.

Am Vormittag besuchen wir Alba. Die Stadt ist der Hauptort des Hügellandes der Langhe. Sie hat circa 31437 Einwohner. In der Stadt sind einige römische Überreste einer alten Befestigungsanlage zu besichtigen, sowie ein Dom aus dem 15 Jahrhundert. Wirklich beeindruckend ist aber die Altstadt mit ihren verschlungenen Wegen und Gässchen. Hier gibt es zahlreiche Läden die Produkte aus der Region anbieten und zum stöbern einladen. Wir gönnen uns ein handgemachtes Eis und beobachten die Touristengruppen mit ihren Stadtführern. Leider sind ein Großteil der Läden geschlossen, da Montag beziehungsweise Dienstag in vielen Städten Ruhetag ist. Andere haben nur Vormittag oder am Nachmittag geöffnet. Der Rest öffnet von 10.00 bis 12.30 und dann von 15.00 Uhr bis 19.30 Uhr seine Türen. Wir sehen bei dem ganzen System einfach nicht durch und beschließen weiter zu fahren.

In einem der Lädchen mit den Spezialitäten haben wir einen Flyer mit einem Outlet gefunden. Dieses hat Montags geöffnet und liegt nur ein paar Kilometer vor Turin. Unsere italienische Freundin hatte uns bereits bei unserem letzten Besuch erzählt, dass jegliche Art von Klamotten und Schuhen in Italien sehr teuer sind. Daher geht der normale Italiener nur in Outlets einkaufen. Dort gibt es meist 30-50 % Rabatt. Wir entscheiden uns daher ihrem Rat zu folgen und uns im Outlet nach ein paar schönen Sachen umzusehen. Der Weg ist weiter als gedacht. Das Navi kommt nicht ganz mit der Einstellung keine Mautstraßen benutzen klar. Ich zücke schließlich mein Handy und die Google Maps App. Meinem Handynetz sei dank funktioniert Google Maps ohne weitere Fehler und bringt uns über die Landstraße vorbei an schönen Häusern und Orten nach Turin. Als wir am Outlet ankommen prangt uns als erstes ein riesiges Armani Schild entgegen. Wir sind erst einmal etwas enttäuscht, Armani fällt definitiv auch trotz Sale nicht in unser Budget. Als Beispiel eine Armani Tasche kostet laut Schild 2 500 Euro durch den Sale kann man sie nun für 995 Euro bekommen.

Wir sehen uns aber weiter im Center um und finden schließlich ganz hinten die passenden Läden: Sketch, Adidas, Nike, Desigual, Calvin Klein, Lindt usw. Endlich was für unseren Geldbeutel. Schnell landen wir im Sketch laden bei den bunten Schuhe – und wer mich kennt weiß. Ich konnte wieder nicht nein sagen. So landen zwei paar Türkis farbene Turnschuhe in unserem Einkaufsbeutel. Kostenpunkt 40 Euro pro Stück anstatt 120 Euro. Es kann so weiter gehen! Im Adidas und Nike Laden finde ich nichts passendes. Die Preise sind ok. Aber ich brauche keine weiteren Sporthosen. Bei Lindt reiht sich eine riesige Schokoladentafel an die andere. Der Preis ist mit 25 Euro pro Tafel ist mir allerdings zu teuer und ob ich sie heil nach Hause bekommen hätte wäre sowieso noch die Frage gewesen. Beim Desigual Laden darf ich mich alleine vergnügen, mein Mann nimmt unter einem der schattigen Bäume Platz und beobachtet das Treiben. Ich finde auf Anhieb zwei Kleider und eine Hose die mir gefallen würden und mit jeweils 30 Euro anstatt 90 beziehungsweise 70 Euro super ins Budget passen. Leider fällt mir in der Kabine auf, dass Desigual in Italien eine Nummer kleiner ist als in Deutschland. Da es bereits bei uns sehr eng und figurbetont geschnitten ist trage ich in Deutschland eine XL der Marke, in Italien wäre es eine XXL. Nachdem ich die nette Dame danach befragt habe, bekomme ich allerdings die Antwort, dass sie diese Größe leider nicht führen und ich die italienische XL probieren möge. Gesagt getan. Leider aber für meinen Geschmack zu eng. Auch wenn es grundsätzlich passen würde. Ich gehe also mit leeren Händen und mein Mann ist total erstaunt, dass ich nichts gekauft habe. Passiert in dem Laden ja sonst nie. Dann ist unsere Shoppingtour beendet und wir fahren zurück zum Hotel.

Im Hotel werden wir schon sehnlichst von Maja erwartet. Vivianna ist erstaunt, dass man sie überhaupt nicht gehört hat. Kein Bellen, kein Jaulen. Sie war mucks Mäuschen Still. Zur Belohnung geht es runter zum Fluss. Dieses Mal finden wir den Weg und Maja springt ins kühle nass. Sie freut sich wie ein Schneekönig. Beißt ins Wasser und versucht einen Stock nach dem anderen herauszuholen. Meilenweit ist kein anderer zu sehen. Sie hat den ganzen Fluss für sich alleine.

Auf dem Rückweg fällt uns auf, dass das Weingut von Neive „Francony“ geöffnet hat. Wir beschließen hinein zu gehen. Stellen aber zunächst das Auto am Hotel ab. Im Hof werden wir von einem jungen Mann abgefangen. Er fragt uns etwas auf Italienisch. Woraufhin wir auf Englisch antworten „can we taste a wine?“. Er hakt kurz nach woher wir kommen. Wir antworten aus Deutschland. Eine Minute später erzählt er uns auf Deutsch, dass er uns gerne eine Führung gibt und eine Weinprobe. Wir sind überrascht von der Freundlichkeit und der Herzlichkeit. Maja wird unterdessen von den Hofhunden begutachten. Es gibt ein kurzes Knurren und woraufhin Maja sie in Ruhe lässt. 

 

Dann dürfen wir mit Maja eintreten. Franconys ist ein absolutes Familienweingut. Generationen arbeiten daran, dass der Wein eine gute und gleichbleibende Qualität hat. Wir erfahren, dass sich einer ihrer Weinberge direkt unter unserem Hotel befindet und der Rest in der Langhe verstreut ist. Manche Berge teilt man sich mit anderen Familien. Wichtig sind vor allem die Erde, das Wetter und die Pflege. Je nachdem kann entweder der Barolo oder der Barbaresco besser entstehen. Wir bewundern das Weinlager und die Eichenfässer. Irgendwie erinnert es uns an die Whisky Destillen.

Wir fragen kurz woher er so gut deutsch kann. Er antwortet von seiner Arbeit mit den Gästen. Schappo. Aus dem Weinunterkeller geht es hinauf in den Verkaufsraum. Wir begutachten die Flaschen. Fragen uns wie er schmeckt und woran man weiß oder rot erkennt. Als hätte Francony des bemerkt bietet er uns zu einer Weinprobe. Wir nehmen dankend an. Es folgen drei Flaschen Weißwein von Arneis über Chardonnay aus verschiedenen Jahrgängen. Der Chardonnay von 2015 I Patriarchi ist mein Favorit. Er ist spritzig, fruchtig und hat etwas sehr erfrischendes. Danach probieren wir einige Rotweine unter anderem Dolcetto Alba, Barbera Alba, Barbaresco und Barolo. Umso älter die Barbaresco Abfüllung wird umso vollmundiger und intensiver wird sie. Der letzte hinterlässt ein langes geschmeidiges Gefühl im Mund. Wir beschließen jeweils ein Chardonnay und ein Barbaresco mitzunehmen. So etwas bekommt man schließlich nicht alle Tage. Währenddessen erzählt Francony uns noch von der Produktion und dem Rose Sekt, denn sie herstellen.

Woraufhin ich diesen natürlich unbedingt noch probieren muss. Falconey öffnet extra eine Flasche obwohl ich ihn mehrmals frage ob es ok ist, man kann Sekt meiner Meinung nach ja nicht wieder verschließen. Woraufhin er uns aber ein Vakuumierer für Flaschen zeigt. Nachdem er mir ein Glas Sekt eingeschenkt hat verschließt er die Flasche mit einem speziellen Korken dann setzt er den Vakuumierer darauf und die Flasche ist wieder dicht. Eine grandiose Technik. Wir probieren noch den Sekt, dann geben wir Francony unsere Bestellung und bedanken uns. Er freut sich sichtlich und holt uns die Flaschen. Ich lasse ihm neben dem Geld auch noch ein Trinkgeld da und frag noch einmal nach ob wir auch aus Deutschland nachbestellen können. Kein Problem sagt er wir müssen nur mit dem Zoll schauen wie es geht und wie viel es kostet. Er fährt nur einmal im Jahr seinen deutschen Kunden in Dresden an. Wir versprechen uns zu melden.

Den restlichen Abend verbringen wir wieder in der Altstadt von Neive. Dieses Mal im „L’Aromatario“ einem Hotel und Restaurant zwischen den zwei Kirchen der Altstadt. Maja darf dieses Mal mit und bekommt einen Fensterplatz damit sie alles beobachten kann. Wir trinken Chardonnay und nehmen wie immer ein Menü. Mittlerweile wissen wir, dass die Menüs deutlich günstiger sind als eine eigene Zusammenstellung. Als Vorspeise gibt es Carpaccio und eine Art Gehacktes. Im Hauptgang bekomme ich in Schwein. Schatz hat Rind. Mein Schwein erinnert mich an Sardinien. Auf Sardinien gibt es als Traditionsgericht ebenfalls Spanferkel. Die Ferkel dürfen allerdings nicht älter als 6 Monate sein. Dazu bekomme ich in Würfel geschnittene Kartoffel die dann noch einmal auf dem Grill angebraten wurde. Schatz hat zu seinem Rind Kartoffelbrei. Der schmeckt allerdings wie aus der Tüte. Schade. Als Dessert gibt es Schokopudding. Alles im allen lecker aber nicht zu vergleichen mit den beiden Tagen zuvor. Müde fallen wir ins Bett.

 

Tag 4

Unser letzter Tag beginnt mit einem Hitzerekord. Bereits morgens sind 27 grad. Das verspricht einen sehr warmen Tag. Die Nacht war eher kurz, es wollte nicht so wirklich abkühlen. Nachdem Frühstück machen wir uns auf nach Bra. Eine kleine Stadt auf dem Weg nach Cuneo. Bis ganz nach Cuneo wollen wir nicht. Die Stadt hat einen großen öffentlichen und kostenlosen Parkplatz von dem wir in die Innenstadt gelangen. Neben den zahlreichen Kirchen und Gassen gibt es allerdings nicht viel zu sehen. Wir sind etwas Touristen müde und lassen die Sehenswürdigkeiten aus. Stattdessen genießen wir ein Eis und schauen uns den Park an. Auf dem Rückweg machen wir in den Bergen bei einem Argarhotel halt. Diese Art von Hotels waren ursprünglich mal Bauernhöfe, davon ist jetzt allerdings nicht mehr viel zu sehen. Die Dame von der Rezeption führt uns rum und wir versprechen wieder zu kommen. Es ist auf jeden fall ein Hinkucker.

Den Nachmittag planschen wir im Pool. Maja ist müde und schläft im Zimmer. Die warme Luft strängt sie zunehmend an. Am frühen Abend beschließen wir sie im Zimmer zu lassen und allein die „Neustadt“ von Neive zu erkunden und einige Einkäufe zu erledigen. Wir stoßen auf einen Supermarkt und einen Spezialitätenladen in dem wir Käse, Olivenöl, Nudeln und Brötchen für die fahrt kaufen.

Den restlichen Abend verbringen wir im „I Love Ba“ Restaurant vom zweiten Abend. Maja wollte dann doch wieder mit und hatte den richtigen Riecher. Nachdem uns die Besitzerin erzählte, dass es in ihrem zweiten Restaurant auch eine Maja als Maskottchen gibt, bekamen wir in der oberen Etage einen Platz auf ihrem kleinen Balkon. Und damit meine ich wirklich klein. Gerade so ein Tisch und zwei Stühle hatten Platz. Es war etwas ganz besonderes. Man konnte die gesamte Umgebung der Weinberge beobachten und genießen. Dieses mal hatten wir als Vorspeise eine Art Ofenkäse und Paprika eingelegt in Knoblauch. Als Hauptgang gab es Steak mit hausgemachten echtem Kartoffelpüree und als Nachgang abermals die Panna Cotta. Maja bekam so gar ihr eigenen klein geschnittenes Steak. Unser „Puppy“ wie die Italiener so schön sagen hatte sich in die Herzen der Köchin und der Kellnerin geschlichen und eine Gruß des Hauses ergattert. Ein krönender Abschluss für ihren und unseren Urlaub.

 

Tag 5

Leider mussten wir an Tag 5 noch vor dem Frühstück den Heimweg antreten. Denn wie erwartet staute es sich in Deutschland an allen Ecken und Enden. Zumindest bis zum Bodensee hatten wir durch die Schweiz und Österreich Glück. Kaum LKWs und keine Grenzkontrollen. Die Zöllner zogen abermals lieber andere als uns aus der Menge. Daumen Hoch!


Nach 11 Stunden Rückfahrt erreichten wir endlich unser zu Hause.

Druckversion Druckversion | Sitemap

Copyright © 2014-2017 Sabine Trommer (freiberufliche Autorin "Sabine Hentschel").

All Rights Reserved.

Impressum / Datenschutz / Kontakt & Gästebuch